Killerphrasen

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Auf 1 Blick

Unter Killerphrasen (gelegentlich auch Ideenkiller (s. auch letzter Abschnitt), Totschlagsargument oder Kreativitätsbarrieren/ Kreativitätsblockaden genannt) werden kritische Aussagen oder Einwände verstanden, die im Ideenprozess eine hemmende Wirkung besitzen und die in Timing, Rapport oder Ausdrucksform unangemessen sind; sie treten häufig in der sensiblen Phase der Ideenfindung auf, sind meist schlecht zu widerlegen (sog. Totschlagsargumente) und führen nachfolgend oft zu Kreativitätsblockaden, die einen versiegenden Ideenfluss oder sogar persönliche Animositäten zur Folge haben.

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Gegenstand

Inhaltsverzeichnis

Killerphrasen sind Einwände oder Bedenken, die gegen eine geäußerte Idee vorgebracht werden. Sie erfolgen nicht immer aus Absicht oder bösem Willen, sondern sind häufig der Ausdruck einer spontaner Unzufriedenheit mit einer Idee, eines gegenteiligen Wissensstandes, des Wunschs Recht zu haben oder des Bestrebens nach Qualität (vs. Quantität). Das macht sie aus neutraler Perspektive zu einfachen, aus der Perspektive der kritisierenden Person im günstigsten Fall zu berechtigten, Argumenten, die oft nur unangemessen geäußert werden.

Als Totschlagsargument werden Killerphrasen auch bezeichnet, weil sie oft in der Phase der Ideenfindung geäußert werden, in der es darum geht, unausgegorene Rohideen und verrückte Äußerungen zuzulassen; so werden Killerphrasenäußerer auch oft als "Bedenkenträger" bezeichnet. Der Effekt ist: Unbefangenes Spinnen und freier Gedankenfluss weichen einem gründlichen Nachdenken und einer sorgfältigen Berücksichtigen vorgebrachter Argumente und Gegenargumente. Dadurch gerät eine rege Ideensammlung in's Stocken, weil die Aufmerksamkeit auf die Hinterfragung und nachfolgend oft auf die Verteidigung bisher vorgebrachter Ideen, oder auf die Vermeidung neuer, angreifbarer Vorschläge ausgerichtet ist; das freie unbefangene Äußern von Ideen, ohne darüber Nachzudenken, kann durch Killerphrasen schnell zum Erliegen kommen.

Das Ergebnis: Ideen werden "gekilled".


Kriterien und Beweggründe

Die Kriterien und Beweggründe für Killerphrasen sind unterschiedlicher Natur; mögliche Kategorien sind:

  • Timing
  • Rapport
  • Ausdrucksform
  • Qualitätsfokus
  • Rechthaberei
  • Persönliche Befindlichkeit
  • Macht

Timing

Wenn Killerphrasen in der sensiblen Phase der Ideenfindung auftreten, bewirken sie oft, dass eine begonnene Ideensammlung beendet wird; rationale Betrachtungen werden bevorzugt vor freiem Ideensammeln, sensibel veranlagte Ideengeber ziehen sich zurück und überlassen anderen Personen, "die es wissen", das Feld. In allen Fällen haben sie kurzfristigen bis nachhaltigen Einfluss auf die Ideenausbeute, was im ungünstigsten Fall dazu führt, dass nur wenige oder, nachfolgend, gar keine Ideen geäußert werden. Das verletzt grob den ersten Grundsatz der Ideenfindung: "Quantität vor Qualität".

In anderen Phasen des kreativen Prozesses, wie z.B. der Optimierungsphase, gehören sachliche Einwände, Bedenken und Kritik dagegen zum essentiellen Bestandteil des kreativen Prozesses, um die Qualität der vorhanden Vorschläge zu hinterfragen und nachfolgend sicherzustellen, dass nur an den Vorschlägen weitergearbeitet wird, die sich im Sinne der Aufgabenstellung (1. Phase) lohnen.

Rapport

Insbesondere rein sachorientierten Teilnehmern an einer Ideensitzung fehlt oft das nötige Feingefühl im Umgang mit den anderen Gruppenmitgliedern, weil die Sache für sie absoluten Vorrang hat. Das kann in der Konsequenz dazu führen, dass sachlich berechtigte Aussagen sehr emotional forciert vorgetragen werden, ohne Rücksicht auf den "Draht" zu anderen Teilnehmern.

Ausdrucksform

Killerphrasen können frontal, subtil oder in Frageform vorgetragen werden; sie können sprachlicher oder auch non-verbaler Natur sein und bedienen sich oft aller Register kommunikativer Sprachmodelle, wie z.B. des 4-Ohren-Modells von Schulz von Thun. Beispiele dafür sind:

  • frontal: "Was für eine blöde Idee"
  • subtil: "ob so eine Idee wirklich Ausdruck geistiger Reife ist, weiß ich jetzt gerade nicht"
  • verbal: die Killerphrase wird sprachlich geäußert
  • non-verbal oder averbal: Die Killerphrase wird durch Körpersprache (Gestik, Mimik) oder paralinguistische Merkmale (Lautstärke, Betonung) zum Ausdruck gebracht (z.B. ironische Betonung bestimmter Aussagen/ Fragen).

Qualitätsfokus

Ein zu früher Fokus auf Qualität kann sich hemmend auf neue, meist noch unausgereifte Ideen auswirken, die in der Regeln einen Qualitätsbeweis noch nicht antreten konnten. In der Phase der Ideenfindung spielt Quantität eine entscheidende Rolle – und dafür braucht es einen freien Ideenfluss.

Rechthaberei

Manche Teilnehmer einer Ideensitzung definieren sich, und ggf. ihren Status, dadurch, dass sie Recht haben. Killerphrasen sind dafür oft ein probates Mittel, weil sie, bezogen auf den bisherigen Kenntnisstand, neue unausgereifte Ideen meist schon im Ansatz mit Leichtigkeit widerlegen können. Das möglicherweise vorhandene Potenzial einer Idee wird i.d.R. dabei bewusst außer Acht gelassen.

Persönliche Befindlichkeit

Persönliche Befindlichkeit, die oft mit einer Aufgabe nichts zu tun haben (wie z.B. sich angegriffen fühlen bzw. jmd. angreifen), können der Auslöser für Killerphrasen emotionaler Art sein, die die Sachebene schnell in den Hintergrund treten lassen. Die Gründe können vielfältiger Natur sein (z.B. Hierarchieunterschiede, persönliche Betroffenheit, soziale Betroffenheit, Status-Betroffenheit, oder auch schlicht "schlechte Laune").

Macht

Ein weiterer Beweggrund für Killerphrasen kann der Faktor Macht sein, den einzelne Person gegenüber anderen oder der ganzen Gruppe ausspielen wollen ("ich bin derjenige, der entscheidet, ob das eine gute oder schlechte Idee ist"); dabei sind Einwände oft nicht durch Sachkenntnis, wohl aber durch die Position einer Person geprägt.


Unterteilung

Äußere und innere Killerphrasen

Killerphrasen lassen sich ihrer Herkunft nach unterteilen in äußere und innere Killerphrasen:

  • Äußere Killerphrasen: Die bekanntere Form sind die von außen (Anderen) vorgebrachten Argumente, die, hörbar oder sichtbar, den Ideenfluss in einer Gruppe zum Stocken oder Erliegen bringen können. Die "Generalaussage Killerphrase" bezieht sich oft (nur) auf die äußeren Einwände.
  • Innere Killerphrasen: Die weniger bekannte, aber häufigere Form sind die inneren Einwände einer Person (innere Stimmen/ Selbstgespräche), wie z.B. Selbstzweifel ("ob das gehen kann"), Unsicherheit ("das kann ich ja nicht wissen"), Glaubenssätze ("das macht man nicht"), Identitätszwiespalt ("ich war noch nie der große Ideengeber, warum sollte das jetzt anders sein"), Zugehörigkeitszweifel ("die anderen werden mich für verrückt halten/ mögen mich nicht mehr, wenn ich so eine Idee habe"). Sie laufen meist subtil, im Stillen, bewusst oder unterbewusst, ab und verhindern, dass eine Idee überhaupt geäußert wird. Das macht sie aus der Perspektive des kreativen Prozesses heraus schwerer wahrnehmbar und erfordert in der Regel einen geübten, aufmerksamen Moderator und ein stimulierendes Setting, um die Beteiligten zu ermutigen, ihren Ideen freien Lauf zu lassen; auch muss die Wahl der Methoden so angepasst werden, dass die Voraussetzungen der Teilnehmer (kultureller Hintergrund, Erfahrungsstand u.W.m.) berücksichtigt werden und sich das individuelle Szenario begünstigend darauf auswirkt.

Stufen

Darüberhinaus können Killerphrasen von unterschiedlicher Natur, Beschaffenheit und "Involviertheit" sein und verschiedene "Stärke- oder Ordnungsgrade" aufweisen

  • Killerphrasen 1. Ordnung: Sach-Argumente, die zur Unzeit kommen (schlechtes/ unpassendes Timing), wie z.B.: "Dafür haben wir kein Geld", "Das haben wir noch nie so gemacht", "Das geht garantiert nicht/Das kann gar nicht funktionieren".
  • Killerphrasen 2. Ordnung: Belehrende (besserwissende) Einwände, die nach dem 4 Ohren-Prinzip von Schulz von Thun neben dem Sachaspekt mindestens einen weiteren Aspekt (meist Beziehung oder Appell) ansprechen, wie z.B.: "Lassen Sie sich das gesagt sein von jemand, der die Materie kennt", "das kann nicht funktionieren", "jeder Fachmann weiß, dass das nicht geht", "wenn das funktionieren würde, wäre schon längst jemand darauf gekommen", "ich habe da so meine berechtigten Zweifel".
  • Killerphrasen 3. Ordnung: Emotionale Einwürfe, die nicht nur eine Idee, sondern auch den Ideengeber persönlich angreifen und nicht selten emotionalisieren, unsachlich werden oder sogar "unter die Gürtellinie gehen" und/oder versuchen, den Angegriffenen lächerlich zu machen, wie z.B.: "Was für ein Schwachsinn", "vollkommen unausgereift", "absoluter Unfug/ absolut unrealistisch", "wer ist denn auf diesen Blödsinn gekommen", "wissen Sie eigentlich, wovon Sie reden", "haben Sie eigentlich studiert"


Killerphrasen-Strategien

Nachfolgend erfolgt eine Auflistung einiger ausgewählter Strategien, wie Killerphrasen bewusst oder unbewusst "vorgebracht" werden.

Sandwhich-Technik

Eine sehr beliebte Strategie, um einer Killerphrase mehr Gewicht zukommen und sie glaubwürdig erscheinen zu lassen, ist die Nutzung der Argumentationsstrategie "Sandwhich-Technik":

  1. Zuerst wird ein neutrales oder sogar vermeintlich wertschätzendes Argument geäußert, um die betroffene Person "in Sicherheit zu wiegen"; z.B.: "Vielen Dank für Ihre Beteiligung an diesem Thema".
  2. Dann folgt die eigentlich Killerphrase, der eigentliche Angriff; z.B.: "Aber ich habe da so meine berechtigten Zweifel, dass Sie von dem Thema wirklich etwas fundiertes verstehen!"
  3. Abschließend erfolgt wieder ein anscheinend anerkennendes/ wertschätzendes, aber faktisch belangloses, Argument; z.B.: "Dennoch so engagierte MitarbeiterInnen brauchen wir."

Diese Reihenfolge macht es Betroffenen oft besonders schwer, darauf angemessen zu reagieren, weil es sich um eine sehr durchdachte Strategie handelt, die den Anschein erwecken soll, den Betroffenen "im Grunde" anzuerkennen.


Umgang mit Killerphrasen

Allgemein

Generell gilt für alle Killerphrasen bzw. Nachfragen: Auch wenn es noch so reizt, sollte die Phase der Ideenfindung von Nachfragen bzw. Pro-Kontra-Argumenten weitestgehend freigehalten werden, um weiterhin störungsfrei Ideen zu sammeln!

Um Killerphrasen respektvoll, konkret und wirksam zu kontern, gibt es kein Generalrezept, aber eine Reihe verschiedene Möglichkeiten, die situativ eingesetzt werden können; sie verlangen von der Moderation eines Ideenprozesses ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit, Sensibilität, Flexibilität und Fingerspitzengefühl und können einzeln genutzt werden, wie auch sich in ihrer Wirkung ggf. gegenseitig ergänzen:

  • Die einzelnen Phasen des Ideenprozesses klar und eindeutig voneinander trennen
  • Bei der Auswahl der Vorgehensweise und der Methoden die aktuellen Voraussetzungen der Beteiligten berücksichtigen (kultureller Hintergrund, Erfahrungsstand, Bekanntheitsgrad untereinander, gemischte Hierarchien, u.W.m.); ggf. kann der Einsatz einer schriftlichen Technik (z.B. Brainwriting) das vorzeitige Kritisieren laut vorgebrachter Ideen verhindern.
  • Spielregeln für die einzelnen Phasen vereinbaren und visualisieren
  • Auf Regeleinhaltung bestehen und Killerphrasen bewusst machen, explizit ansprechen und verbindlich bannen (ggf. gemeinsam Sanktionen, wie z.B. Killerpunkte, vereinbaren)
  • Auf gar keinen Fall auf pro-kontra-Diskussionen (Rechthabereien/ Macht-Spiele einlassen (!) - sondern mit sachlichen, unemotionalen, Fragen aushebeln
    • Gleichfalls nicht mit den beliebten "Aber ...-Sätzen" versuchen zu kontern; ein sprachlich geübtes Ohr hört in jedem "Aber...-Satz" sofort den Punkt des Widerspruchs heraus und wird darauf "anspringen". Besser ist es, das Argument des Gegegenübers aufzugreifen, und mit der "Bumerang-Technik" und einem "Ja, und-Satz" weich aufzufangen und weiterzuführen/ zurückzugeben.
  • Sachliche Killerphrasen wertschätzend als berechtigte Einwände würdigen und sie zugleich bestimmt auf die, hierfür reservierte Phase der Ideenbewertung, -auswahl und -korrektur verweisen
  • ggf. einen Wechsel der Beteiligten und/ oder der Moderation durchführen - oder im äußersten Fall (und hartnäckigen BedenkenträgerInnen) auch einen Prozess abbrechen
  • Bei großen Gruppen eine zweite Moderation/ Leitung hinzuziehen; so können Gruppen ggf. getrennt werden (z.B. in Erfahrene/ Einsteiger), oder auch Prozesse durch eine Aufteilung der Aufgaben sicherer geleitet werden


Killerphrasen-Konter-Strategien

Sensibilisierung

-Vorbereitung-

1) Um den Rahmen abzustecken, ist es meist nützlich, im Vorfeld eines kreativen/ Problemlösungsprozesses, den Prozess, seine verschiedenen Phasen, sowie deren Besonderheiten und jeweilige Stärken und Schwächen kurz anzusprechen und bewusst zu machen - idealerweise mit einer visuellen Unterstützung (z.B. einer Flipcharthilfe). Dabei sollte speziell das Thema "Trennung von Ideenfindung und Bewertung" angesprochen werden und auch, dass es für Einwände gegen vorgebrachte Ideen eine eigene Prozessphase (Optimierungsphase) gibt.

-Einstimmung-

2) Als ideal hat sich die Vorgehensweise erwiesen, nach einer anfänglichen Rahmen- und Regelerklärung speziell dem Thema "Killerphrasen" kurz gesondert Aufmerksamkeit zu widmen. Dazu kann nach einer ersten Situationsbeschreibung ein spezielles "Killerphrasenbrainstorming" durchgeführt werden, in dem die Gruppe bewusst aufgefordert wird, "verbotene Killerphrasen" zu äußern und zu sammeln. Der Vorteil dieser Vorgehensweise:

  • Die Gruppe wird für das Thema sensibilisiert.
  • Der Humorfaktor wird in den allermeisten Fällen genutzt, um das Thema mit Ernst und Leichtigkeit in das Bewusstsein zu bringen.
  • Gleichzeitig können bei diesem Vorgehen auch die Regeln (z.B. für ein Brainstorming) spielerisch demonstriert werden.
-Killerpunkte-

3) Als Ergäzung zu einer einführenden Erklärung (vgl. Vorbereitung) und einem nachfolgenden, aufwärmenden "Killerphrasenbrainstorming" (vgl. Einstimmung) kann die Moderation mit der Gruppe zusätzlich vereinbaren, dass beim Auftreten von Killerphrasen in der Phase der Ideenfindung konsequent sogenannte "Killerpunkte" vergeben werden, um das Bewusstsein hierfür zu schärfen. Dazu geht eine Moderation/ Gruppe folgendermaßen vor:

  • Wird eine Killerphrase artikuliert, hebt die Moderation das hervor (z.B. durch ein akustisches Signal, wie z.B. eine Hupe, eine Klingel o.Ä.).
  • Danach bekommt die betreffende Person gut sichtbar einen "Killerpunkt" (großen Klebepunkt) aufgeklebt.
  • ggf. kann zu Beginng gemeinsam mit der Gruppe ein Maßnahmenkatalog vereinbart werden, was im Anschluß an die Ideenfindungsphase dann mit den "KillerpunkträgerInnen" zu geschehen hat.


Unterscheidung Killerphrasen und Ideenkiller

Im Gegensatz zu verbal oder non-verbal "geäußerten" Killerphrasen gehen Ideenkiller in ihrer Reichweite weiter. Sie beziehen sich auf alle Faktoren, die Kreativität und Ideenfindung beeinflussen und können grundsätzlich in allen 3 Bereichen des Kreativitätsmanagements auftreten:

  • Personale Ideenkiller (z.B. Killerphrasen)
  • Prozessuale Ideenkiller (z.B. ungenügende Prozesskenntnisse oder fehlende Arbeitstechniken)
  • Periphere Ideenkiller (z.B. mangelhafte Ausstattung)


Literatur


Links

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