Periodensystem der kreativen Arbeitstechniken

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Das Periodensystem der kreativen Arbeitstechniken (auch: Periodensystem der Kreativitätstechniken genannt) ist eine Organisations- und Strukturhilfe, die von Michael Luther 2004 entwickelt und seitdem fortlaufend verfeinert wurde (erstmals beschrieben: Luther 2006). Sie fasst alle bekannten Kreativitätstechniken in Form einer mehrdimensionalen Matrix zusammen und stellt sie anhand spezieller Kriterien in Form eines Ordnungsrasters in einen systematischen Zusammenhang.

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Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Im Gebiet der Chemie existiert ein Ordnungsschema, das alle bekannten chemischen Elemente zusammenfasst und nach bestimmten Kriterien und Ähnlichkeiten in Peioden und Gruppen ordnet, das so genannte "Periodensystem der chemischen Elemente" bietet Fachleuten wie Praktikern eine Übersicht, um bekannte Elemente hinsichtlich ihrer Eigenschaften einzuschätzen, wie auch die Möglichkeit, neue, noch nicht entdeckte Elemente vorherzusagen.

Vergleichbar dem Feld der Chemie gibt es in dem Feld der absichtlichen / angewandten Kreativität eine große Anzahl von "Elementen", namentlich Kreativitätstechniken und Formate, die sich z.T. deutlich, z.T. auch nur graduell voneinander unterscheiden. Diese Situation hat mehrere Nachteile:

  • Es gibt bislang keine allgemein anerkannte Übersicht über die existierenden Kreativitätstechniken.
  • Neue Formate tragen oft nur einen anderen Namen oder unterscheiden sich nur in kleineren Details von den bekannten Techniken (Bsp.: Die Kopfstandtechnik ist, bei gleicher Ausführung, unter mindestens 6 weiteren Namenskreationen bekannt).
  • Praktiker nutzen oft nur einen Teil der möglichen, und für die Bearbeitung der jeweiligen Aufgabenstellung geeigneten Techniken; viele Formate bleiben unbekannt und ungenutzt.
  • Die Entwicklung, wirklich notwendiger, neuer Techniken unterbleibt durch Unkenntnis einer Ordnungsstruktur und speziell der Bereiche, in denen noch "weiße Flecken" existieren.

Gegenstand

Das Periodensystem der kreativen Arbeitstechniken orientiert sich mit seiner Klassifizierung an den vier Phasen des kreativen Interventions-Prozesses nach Luther (2006), die auf den amerikanischen CPS-Ansatz und vom Grund her auf die Phasen des kreativen Prozesses nach Wallas zurückgehen; sie sind ausführlich beschrieben in der Idealog-Methodik. Die 4 Phasen sind bzw. umfassen:

  1. Orientierung: Techniken zur Problemklärung und Zieldefinition
  2. Generierung: Techniken zur Ideenfindung (oft auch als die klassischen Kreativitätstechniken bezeichnet)
  3. Optimierung: Techniken zur Strukturierung, Bewertung, Priorisierung, Verfeinerung und Konzeptionierung vorliegender Rohideen
  4. Implementierung: Techniken zur Umsetzung vorliegender Lösungsansätze und Lösungen

Ausführungen

Das Periodensystem der kreativen Arbeitstechniken existiert in verschiedenen Ausführungen, die folgende Einstufungsmerkmale, Sortierkriterien und Eigenheiten aufweisen:

  • Version 1.0 (2004): Eindimensionale Ordnung kreativer Arbeitstechniken nach den 4 Phasen des kreativen Prozesses (nach Wallas, modifiziert nach Luther) (Definition Gruppen).
  • Version 1.5 (2006): Wie Version 1.0, zusätzlich weiter unterteilt in drei Arbeitsschritte je Phase.
  • Version 1.8 (2008): Einführung der Dimension Dynamik (Definition Isotope).
  • Version 1.9 (2009): Einführung der "inneren Notation" (Anwendungseignung).
  • Version 2.0 (2011): Einführung der Dimension Komplexität (Definition Perioden); Differenzierung Haupt-, Unter-, Neben-, Obergruppen; Ergänzung 4. Arbeitsschritt je Phase; Einführung von Variationen.
  • Version 2.1.11 (2011): Ergänzung des OH-Faktors; Differenzierung in Oberflächen- und Tiefenstruktur; Differenzierung in 3 Zielgruppen-Visuals; Visualisierung der Namensalternativen.
  • Version 2.2.12 (2012): Definition des PIT-Bereichs (Periodensystem der Ideenfindungstechniken (2. Segment, Generierungstechniken)), Aktualisierung der Reihenfolge der PIT-Arbeitsschritte.


Visualisierung

Der Ausschnitt PIT (Periodensystem der Ideenfindungstechniken) sieht in der aktuellen Version (2.2.12) aus wie abgebildet:
PSC-PIT-2-2-12.gif


Historische Herleitung

Kategorisierungsansätze gab es auch schon kurz nach der Entstehung der ersten Kreativitätstechniken, etwa seit den 1970er-Jahren. Sie orientierten sich an dem damaligen Wissensstand (wie z.B. dem Split Brain-Modell) oder auch pragmatischen Überlegungen (z.B. Einsatz als Einzel- oder Gruppentechnik) und umfassen folgende Ansätze:

  • Intuitive vs. diskursive Verfahren (analytische) vs. Kombinations-Methoden
  • 6 Kategorien (Brainstorming, Brainwriting, Schöpferische Orientierung, Schöpferische Konfrontation, Systematische Strukturierung, Systematische Problemspezifizierung) (Batelle-Gruppe um Geschka/ Schlicksupp 1972)
  • 4 Felder-Unterscheidung aufgrund von 2 Dimensionen (ideenauslösendes Element vs. Arbeitsweise) (Geschka/ von Reibnitz 1980)
  • Individuelle vs. Gruppentechniken (VanGundy 1981)
  • 5 Problemtypen (Analyse-, Auswahl-, Konstellations-, Konsequenz-, Such-Problem) (Schlicksupp 1987)
  • 5 prinzipienbasierte Klassen (freie Assoziation, strukturierte Assoziation, Kombinationstechniken, Konfrontationstechniken, Imaginationstechniken) (Geschka 2006)
  • 3 Kategorien (Kontext, Operationstyp, Aktivitäten), jeweils mit weiteren Feinunterteilungen (Grube/ Schmid 2008)

Diese frühen Ansätze wurden einer ersten Einteilung durchaus gerecht, weil zur damaligen Zeit ...

  • zum Einen als "Kreativitätstechnik" im eigentlichen Sinne lange Zeit nur heuristische (ideengenerierende) Techniken angesehen wurden,
  • und zum Anderen die Anzahl der bekannten Techniken (in der Ideenfindungsphase ca. 30-50, je nach Ansatz) begrenzt war.


Vorteil

Der Vorteil des Periodensystem der kreativen Arbeitstechniken-Ansatzes ist, dass er die bestehende Kreativitätstechniken systematisch bündelt und nach bestimmten Kriterien ordnet. Damit erhält der Praktiker eine Übersichtstafel, mit der er, bezogen auf eine vorliegende Aufgabenstellung, eine systematische Zuordnung bekannter und eine nachfolgende Auswahl zweckmäßiger Arbeitstechniken treffen kann; fortgeschrittene Anwender und Multiplikatoren erhalten ein Arbeitsraster zur variablen Methodennutzung, -entwicklung und -vermittlung an die Hand; Kreativitätsexperten und Feldentwickler können mit Hilfe der Matrix und Ordnungsstruktur die Bereiche potenzieller "weißer Flecken" identifizieren und existierende Lücken durch kompetente Neuentwicklungen systematisch schließen bzw. die Bereiche ausfindig machen, wo Bedarf an neuen Techniken besteht.


Siehe auch

Kreativitätsprinzipien

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